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Wehe wenn Tura!

„Oh, da lass‘ die Finger im Spiel“

Wehe wenn Tura!
eine Plan-Be-Grün-Dung in drei Akten

Eine virtuelles Possenfragment der „neuen Zeit“

von Heinz J. Hafner

[entstanden 2015]

Aktuellste Version des Werks und Zusatzinfos:

Wehe wenn Tura! Die virtuelle Posse im Magazin-Stil von Heinz J. Hafner


 

Ein ursprüngliches Fragment
aus den Anfängen der Arbeiten

Das Werk ist entstanden, in Gedenken an den Meister der Posse
Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy

 und gewidmet

meinem zu früh verstorbenen, ehrwürdigen Mentor
Wolfgang Fuchs                                                                                      

Personen

Tura,
kosmopolitische Junggründerin
eine dem Leistungsprinzip verschriebene, bürgerliche Studierte

Antrieb:Reich und unabhängig werden, beweisen: „Ich hab’s drauf“

Liliane,
französische Edelfreie
feine, wohlerzogene Dame – den schönen Künsten zugeneigt

Antrieb: Portfoliopflege / Wagniskapitalisierung

S.,
englischer Konsultor
erfahrener, arbeitsamer Vertreter der Hochfinanz

Antrieb: Investitionsbegleitung

J.,
schweizer Gen Y Nerd
lebensfroher, begnadeter Technik-Freak

Antrieb: Was Großes

Bay B.,
kalifornische Erbin
großherzige , immature Freundin des Hauses

Antrieb: sinnvolles Engagement fördern

Shar K.,
arabischer Hausfreund
Gerissener Unternehmer und „Mann der Gesellschaft“

Antrieb: Risikoloser Mitschnitt

Dr. Pro,
deutscher Hausjurist
Vermögensgestalter & -verwalter

Antrieb: Dienste leisten

Stea L.,
australische Schwägerin
ein intrigantes High-Society-Pflänzchen

Absicht: erobern oder zerschlagen

B.,
belgischer Bankdirektor
Leitender Angestellter mit strebsamen Karriereabsichten

Antrieb: Das Ding durchfinanzieren

K.,
griechischer Familienableger
Lebemann & Philosoph

Absicht: Mitdenken, Verstehen und Staunen

Alle dargebotenen Schaustellungen sind zufällig, ungewollt und haben nichts mit dem wahren Leben zutun

Grundlagen

Paradoxe Konfusionen

Schild:
Beachten Sie dieses Schild nicht!
Paul Watzlawik: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Überzeichnungen

„Ein Zuviel das da nicht sein sollte, nun aber doch vorhanden ist
und jetzt bewältigt werden will“

Verortung

Europa / Berlin

Zeit

Herrschende Kadenz des Industriellen im Übergang zur Postmoderne;
„Neue Gründerzeit“ inmitten der totalen Monetarisierung der Gesellschaft 

Prolog

Ein belebter, lauer Sommerabend am Brandenburger Tor, unzählige Menschen quatschen und palavern rund herum. Immer wieder streifen einzelne Personen so nah an einem vorbei, dass man Worte und Satzfetzen wahrnimmt, doch bleibt „Das Ganze“ nur zu erahnen. Man ist immer wieder versucht im Geiste zu erschließen, den Sinn zu erhaschen, ‚was zitierfähiges zu erwischen

„Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“

„Demut ist eigentlich nichts anderes als eine Vergleichung seines Wertes mit der moralischen Vollkommenheit.“

„Phantasie ist unser guter Genius oder unser Dämon.“

„Mit dem Alter nimmt Urteilskraft zu und Genie ab.“

„Irrtümer entspringen nicht allein daher, weil man gewisse Dinge nicht weiß, sondern weil man sich zu urteilen unternimmt, ob man gleich noch nicht alles weiß, was dazu erfordert wird.“

„Verstand ist erhaben, Witz ist schön.“

„Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten.“

„Es ist bisweilen nötig, den Denker, der auf unrechtem Wege ist, durch die Folgen zu erschrecken, damit er aufmerksamer auf die Grundsätze werde, durch welche er sich gleichsam träumend hat fortführen lassen.“

„Ich habe meine Seele von Vorurteilen gereinigt, ich hab eine jede blinde Ergebenheit vertilgt, welche sich damals einschlich, um manchen eingebildeten Wissen in mir Eingang zu verschaffen.“

„Denn man muss wissen, daß alle Erkenntnis zwei Enden habe, bei denen man sie fassen kann, das eine a priori das andere a posteriori.“

„Ein Ganzes von Substanzen ist demnach ein Ganzes von Zufälligem, und die Welt besteht, ihrem Wesen nach, aus lauter Zufälligem.“

„Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.“

„Zufällig im reinen Sinne der Kategorie ist das, dessen kontradiktorisches Gegenteil möglich ist.“

„Zur inneren Freiheit werden zwei Stücke gefordert: seiner selbst in einem gegebenen Fall Meister und über sich selbst Herr zu sein, d.i. seine Affekte zu zähmen und seine Leidenschaften zu beherrschen.“

„Darin ist jedermann einig, daß Genie dem Nachahmungsgeiste gänzlich entgegen zu setzen sei. Da nun Lernen nichts als Nachahmen ist, so kann die größte Fähigkeit, Gelehrigkeit (Kapazität), als Gelehrigkeit, doch nicht für Genie gelten.“

„Wir können alle Vermögen des menschlichen Gemüts ohne Ausnahme auf die drei zurückführen: das Erkenntnisvermögen, das Gefühl der Lust und Unlust und das Begehrungsvermögen.“

„Man muß dem Jünglinge zeigen, daß der Genuß nicht liefert, was der Prospekt versprach.“

„Wir spielen oft und gern mit der Einbildungskraft; aber die Einbildungskraft (als Phantasie) spielt eben so oft und bisweilen sehr ungelegen auch mit uns.“

Ein Stotternder: Dem-im im-Manueeel kant-kanst dank-danken …
d-der hat-t-t des schscho laaaang heeer gw-gw-gwusst!

Erster Akt
„Wolkenkuckucksheim“

Scene 1

Zwei junge Menschen treffen aufeinander: Ein hornbebrillter Junge wir nennen ihn „J.“ der soeben das Berliner Café „St. Oberholz“ energielos verlassen hatte und ein weiblicher Hipster aus dem Café „Mitte“. Die beiden – gleichen Alters – unterschiedlicher nicht sein könnten, ruft zufällig das gleiche Bänkchen am Lustgarten zur internen Klausur. Beide auf der Parkbank sitzend

CHOR DER ENTREPRENEURE

Mir ist so flau obwohl ich schlau!
Du holder Saft der Erde,
will Saatgut sähen und ernten!

Was macht den Strauch doch tragend?
Ist‘s wahrlich nur der Fleiß und Zeit?
Was brauch‘ es denn noch mehr?

Tura: Bist wohl nicht schlau genug für’s Oberholz oder fehlt es an der Knete?

J. (rückt seine Brille zurecht): Und was, bitte schön, vermisst ein Gör wie Du?

Tura: Ok, ok wir bleiben fair: Ich, ich bin der Zweifel leid!

J.: Welch‘ Zweifel quält? Wo steckt der Keil?

Tura: Nun ja, für mich ist Luftschloß-Turnen langsam öd. Die Wahrheit ist für mich kaum packbar: Pläne schmieden im Kaffee, Maloche rauf und runter um pekunär zu überleben – doch wird das, was Leben ist, nicht mehr und auch nicht bunter!
Soll heißen: Knete, Zaster und Moneten langsam einzig mein Begehr!

J.: Das kenn‘ ich das ist auch mein eig’ner Schmerz! Für mich ist langsam Schluss!
Der Illusionen bin ich mehr als leid und doch will ich „Das Große“!

Tura: Genau an diesem Punkt da steh‘ ich auch, noch besser: Liege gar dernieder!
Es muss etwas geschehen, sonst ‚gibt das alles keinen Sinn!

(beide verstummen und sinieren in die wolkenlose Nacht hinein)

Scene 2

(eine gut gekleidete Frau mit zwei Hunden setzt sich auf die angrenzende Parkbank und zündet sich eine Zigarette unter Verwendung einer Zigarettenspitze an.)

Bay B.: Ach die Verliebtheit ist ein toller Wahn, so mancher ihn nie traf!

Tura (völlig entnervt und ohne jegliche Lust auf Austausch, platzt mit forscher Stimme heraus): Weit gefehlt! Wir beide sind geschäftlich Partner. Der große Pitch für morgen der steht an! Muss morgen nur noch alles klappen, dann geht die Sache seinen Lauf!

J. (blickt verdutzt auf Tura)

Bay B.: Ein Pitch von englisch „werfen“, „neigen“ ? (ein fragender Blick) So helft mir hier es zu verstehen.

Tura: Der Pitch für unser „großes Ding“! Die Basis des Erfolges nennt sich „Pitch Deck“ – eine klare und deutliche Erfolgsansage an die Investoren.

Bay B.: Ihr gehört also der seltenen Gattung „Hoffnungsträger“ – ein „Unicorn“ der Zukunft soll es werden! (mit einem verschmitzten Blick) Hm, ich denke wir sollten uns austauschen.

J. (schaltet sich jetzt auch in’s Gespräch ein): Nun, für einen Einstieg dürfte es hier schon zu spät sein. Der Termin ist zwar erst abendlich angesetzt, doch eine Entscheidungsfindung auf Ihrer Seite im Laufe des morgigen Tages, selbst unter Voraussetzung eines morgendlichen Pitches, scheint wohl reichlich unrealistisch!

Bay B.: Junger Mann ich schätze Ihre Skepsis und doch ist die Lage eine andere! Im Rahmen des morgigen, hochkarätigen Treffens im eigenen Kreise wäre es mir durchaus möglich einen, wie nennen Sie es, „Pitch“ zu arrangieren – ich bleibe lieber bei dem mir geläufigeren Begriff „Vorsprechen“ – der scheint mir passender. Nun also, bei positivem Verlauf eines solchen Gespräches, steht einem kurzfristigen Engagement dem Grunde nach nichts im Wege. Würde Ihnen denn 10 Uhr passen?
Sagen wir eine fünfzehn minütige Präsentation? Mit anschließender Möglichkeit zum Austausch?

Tura.: Welche Lokalität würde Ihnen denn zusagen und welcher Teilnehmerkreis wäre denn zu erwarten?

Bay B.: Oh, bitte entschuldigen Sie die Nebelhaftigkeit unserer Begegnung! Mein Name ist Bayadija Alina Eleonor Lucia Begley. Zur Zeit fern meiner kalifornischen Heimat und Gast im Adlon Kempinski. Im Rahmen des morgendlichen „Get-Togethers“ würde ich für morgen 10 Uhr die Bibliothek für eine Zusammenkunft mit Ihnen vorbereiten lassen und zu gegebenem Anlass im kleinen, persönlichen Kreise für Teilnahme werben. Ich gehe von großem Interesse bei einzelnen, handverlesenen Herren und auch Damen aus (grinst kurz aber merklich – mit Genugtuung erfüllt – in sich hinein und nimmt nachfolgend eine fast schon entschuldigende Haltung ein). An dieser Stelle muss ich an Ihr Entgegenkommen appellieren. Die genaue Teilnehmernennung ist passender erst morgen, im Zuge einer kurzen Vorstellungsrunde. Aber seien Sie versichert, Sie werden nicht enttäuscht sein.

Tura. (sich zu J. wendend):

Ich denke für 10 Uhr besteht die Möglichkeit kurzfristig die Präsentation in Ihrem Kreise einzubringen. Auch ein kurzes, nachfolgendes Abstimmungsgespräch sollte zeitlich noch drin sein. Es wird nur sehr schwer möglich sein die abendliche Investorenpartei bei positivem Verlauf mit einer „Wartefrist“ zu belegen.

Bay B.: Hierzu machen Sie sich mal keine allzustarken Kopfschmerzen meine Liebe! Einen positiven Verlauf können Sie bereits morgen vormittag erwarten, vorausgesetzt das Engagement entspricht den hohen Erwartungen die ich habe. Den abendlichen Termin können Sie dann getrost absagen. (lächelt mit siegesbewußter Miene)

Tura.: Na dann, sehen wir uns morgen 10 Uhr in der Bibliothek des Adlon Kempinski. Ich hoffe „business casual“ kommt Ihnen als Dresscode entgegen?

Bay B.: Durchaus! Nehmen Sie sich den Freiraum den Sie benötigen um Ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen zu können. Ach ja wen darf ich für morgen anmelden?

Tura.:  Tura Emilie Berger. (wendet sich mit aufforderndem Blick zu J.)

J.(realisiert erst jetzt sein Versäumnis): Äh, Johann David Wyss.

Bay B. (erhebt sich von der Parkbank reicht den beiden die Hand und zieht sich mit Ihren beiden Hunden zurück in Richtung Hotel)

J.: Boah! Und jetzt? Keine Idee, keine Präsentation, keinen Peil von irgendwas! Das ist ein Desaster! Verrückt! Verrückt!

Tura.: Mach mal locker! Wir ziehen das durch und erstellen über Nacht ein „Pitch Deck“ – vom feinsten versteht sich!
(beginnt hellauf zu lachen – J. läßt sich anstecken – beide halten sich den Bauch vor Lachen)

J.: Gut, gut, das heißt wir brauchen eine geeignete Location für die Nachtaktion sowie genügend Proviant um durchzuhalten.
(mit provokativer Stimme) Zu mir oder zu Dir?

Tura.: Hey, hey jetzt mal langsam (aufgeschrenkt von dem Gedankenblitz mit einem „Fremden“ zu reden; Tura denkt kurz nach)

J. (ergreift die Initiative): Ok, ganz einfach: Ich mache mich jetzt auf direktem Wege zu mir in’s FIZZ in der Köpenicker Str. – Du machst einen Abstecher über eine Tanke und kümmerst Dich um den Proviant. Den Vorsprung nutze ich für die Vorbereitung des Arbeitsmaterials – Laptop, Schreibzeug und so weiter – und beziehe Stellung. Ach ja Hausnummer 43, Eingang ist offen, wir treffen uns in der Lounge – dort bin ich dann schon!  Arbeitsbereit versteht sich!

Tura.: Alles klar – (mehr zu sich als noch an J. gerichtet) RedBull, Cola und Essbares was ich kriegen kann …

(beide gehen ab)

Scene 3

(Tura und J. treffen sich in der Lounge des Studentenwohnheims. J. hat bereits den Laptop und Schreibmaterial zurecht gelegt. Selbst ein Flipchart mit Papier und Stiften konnte er zu dieser unwirtlichen Zeit noch im Hause auftreiben)

Tura.: Nur noch mal für’s Protokoll: Ich bin Tura, Du Johann richtig?

J.: Ja, aber alle nennen mich einfach „Tschey“

Tura.: Ich habe keinen Kosenamen. Simply „Tura“

J.: Ok, was ist da gerade passiert? Haben wir tatsächlich ein Investorengespräch in – äh – weniger als 12 Stunden?

Tura.: Ja so könnte man das zusammenfassen. (grinst)

J.: Und wir haben weder Geschäftsidee, noch Plan, noch haben wir jemals zusammengearbeitet, richtig?

Tura.: Richtig! (grinst zurück)

J.: Ok, was müssen wir voneinander wissen? Ich bin ein klassischer Nerd. Lebe also in meiner eigenen Welt – quasi in der digitalen Wolke!

Tura.: Hey, das tue ich auch und bin kein Nerd! Im Gegenteil ich bin eine stilbewußte, moderne Persönlichkeit die sich für nichts und von niemandem verbiegen lässt!

J.: Was kannst Du?

Tura.: Gute Frage! Die nächste bitte … Nein, Scherz bei Seite. Ich studiere Marketingkommunikation im Master Studiengang an der Designakademie Berlin. War bereits in zwei Auslandspraktika in Malaysia und Sidney, während meiner Bachelor-Zeit. Die absoluten Highlights in meinem Portfolio sind Ideation & Future Communications. Du?

J.: Ich studiere internationale Medieninformatik an der htw. Meine aktuelle Projektarbeit dreht sich um Visual Computing. Mein persönliches Ziel ist es eines Tages mein Hobby – digitales Filmen und Fotografieren mit den heutigen technischen Möglichkeiten, der vernetzten Welt, zu verbinden.

Tura.: Gut dass Du es erwähnst! Meine Leidenschaft gilt den sozialen Netzen und den damit verbunden Möglichkeiten „virales Marketing“ zu betreiben.

J.: Ok, der Show-Off Teil ist damit durch (grinst, macht eine Atempause und genießt Tura’s Aufmerksamkeit)

Tura.(ergreift selbstsicher wieder das Wort): Na dann, lass uns loslegen. Wir brauchen eine Geschäftsidee! Und die muss zünden wie eine Bombe
(verfällt in eine nachdenkliche Position und läßt den Blick schweifen)

J.: Hm, … die Muse hat mich noch nicht geküsst bisher … Keinen Plan wie wir die Kurve kriegen sollen …

Tura.: Was würdest Du anpacken wenn Du unendlich Geld zur Verfügung hättest? Wenn Du nicht scheitern könntest?

J.: Hm, ich würde das machen was ich schon immer machen wollte: Gesellschaftskritische Filme drehen und mich am Allerwertesten lecken lassen (grinst wie ein Sieger)

Tura.: Mann ey – so wird das nix. Wir brauchen eine „Triple-M“ also eine totsichere Money-Making-Machine sonst erleben wir morgen eine fatale Schlappe …

J.: Wieso schließt sich Spaß und Erfolg immer gegenseitig aus?

Tura.: Tut es doch gar nicht – aber mit kritischen Filmen ist halt eher nix zu holen, oder?

J.: Eine verrückte Geschichte! Die Chancen so etwas zu erleben stehen bei eins zu einer Million!

Tura.: Ich hab’s: Unser Projekt ist tatsächlich eine Filmdokumentation, eine der besonderen Art! Wir drehen einen Film über genau diese Story – abgefahrener geht’s eh wohl kaum!

J.: Du meinst: Unser Treffen, den Pitch und die Umsetzung bis zur Erfolgsstory, das ist unsere Story und ein „Knaller“-Invest?

Tura.: Ganz genau! Wir machen ein Filmscript im Stile einer klassischen Posse, geben der Sache einen schrägen Titel – einen schrägen Verlauf haben wir schon – und stellen das Gesamtprojekt in Form eines Businessplans zusammen. Fertig! Alles andere bringt das Projekt mit sich – vorausgesetzt wir kriegen den Zuschlag! Halt! Natürlich brauchen wir einen genialen Vermarktungsplan der auch ordentlich Moneten, also den nötigen Investioshebel erkennen lässt …

J.: Hm, könnte funktionieren …

nach einer kurzen Denkerpause, beginnen die beiden wie wild zu arbeiten. Internet-Recherchen, Foliensätze in feinster Pitch-Deck-Manier, Geschäftsmodellierung, Return-on-Invest Kalkulationen, Best-Case und Worst-Case Szenarien, alles was eben heute so nötig ist um Erfolg zu haben

Stunden vergehen; Licht wird gedimmt; eine Uhr zeigt symbolisch und im Zeitraffer wie die Zeit bis zum Morgengrauen verstreicht

J.: Also ich habe sämtliche Zahlen aufgestellt, es kommt eine beachtliche Invest-Summe zusammen die wir benötigen. Wenn wir dem gegenüber den Faktor 10 bei den Einnahmen aufzeigen, so sollte der Invest attraktiv genug sein! Die Nummer muss nur auch exekutiert werden … (blickt skeptisch zu Tura)

Tura.: Da mache ich mir keine Sorgen. Ich habe ein ausgeklügeltes „Virales Marketing-Konzept“ aufgestellt. Demnach können wir, moderat geschätzt und vorausgesetzt es wird in die wichtigsten 5 Weltsprachen übersetzt – wie Du ja einkalkuliert hast (grins) – ca. 10 Mio. Menschen erreichen. Die daraus resultierenden direkten Einnahmen und das parallele Merchandising bringen locker das zehnfache gegenüber den Kosten ein. Da sind noch nicht einmal die Nebeneinkünfte aus sonstigen Einkünften berücksichtigt: Speaker-Fees sowie sonstige Medien- & Presse-Einnahmen

J.: (mit Blick auf die Uhr) Ok, wir müssen langsam los und Vor-Ort die Präsentation vorbereiten. Beamer-Tests und so weiter …

Tura.: Halt! „Hygienisierung“ und „In-Schale-werfen“ ist vorab angesagt. Jeder zieht sich jetzt zurück und schmückt die Braut!  Wir treffen uns pünktlich um 9:30 Uhr im Adlon Kempinsky – Lobby Bereich …

J.: Stop! Erst ziehen wir von allem noch zwei Kopien auf Stick – Du einen ich einen! Für den Fall der Fälle!

(beide beginnen mit dem Rückbau aller Utensilien und verlassen nachfolgend die Lounge)

Zweiter Akt
„Show u r Biz“

Scene 4

Frühstücks-Separee im Adlon Kempinski: Liliane, A.S., Bay B., Shar K., Dr. Pro, Stea L., I.K. in gesellschaftlicher Runde

Bay B.: Ich habe heute Morgen die Bibliothek reservieren lassen. Um 10 Uhr werde ich einer vielversprechenden „Pitch“ beiwohnen.

Stea L. (mit böser Zunge): Welch‘ geschäftige Worte aus Deinem Munde! Ein ausgewachsener Weltrettungsversuch oder nur lärmloses Spenden für milde Zwecke?

Liliane: Stea ich bitte Dich! Gönne Bay ihre Großherzigkeit. Sie kann und will es sich leisten. Wann hast Du das letzte Mal „Gutes“ bewirkt?
(ein hämischer Unterton war nicht zu überhören)

Bay B.: Oh, es ist ein junges Gründerteam mit einem echten, kommerziellen Knaller!

Shar K.: Und welches Thema? In welchem Stadium befindet sich das Engagement?

Bay B.: Geschätzter Shar, da will ich den Präsentatoren nicht vorgreifen (lächelt charmant). Da wäre doch die ganze Spannungskurve beim Teufel!

Dr. Pro: Sie lassen es mich einfach wissen, wenn Vertragliches ansteht.

Bay B.: Sie sollten sich heute bereits einbringen. Es werden heute höchstwahrscheinlich Nägel mit Köpfen gemacht was die Eckdaten und Next-Steps betrifft!

I.K.: Oh liebe Bay, welch‘ Progressivität! Seit wann bist Du hier in Berlin? Seit gestern Morgen? Wie lange hast Du dieses Engagement denn schon in Petto? Es ist doch sonst nicht deine Art im geheimen zu agieren – na, na, ohne uns einzuweihen!

Bay B.: Der Mensch ändert sich – von Zeit zu Zeit!

Liliane: Also ich werde das Possenspiel ein paar Minuten auf mich wirken lasse, dann ziehe ich mein Galerie-Vorhaben in der Auguststraße der Sache vor.

Scene 5

  • Investorengespräche
  • Geld fließt / Umsetzung mit Geld
  • Profis unter sich / Großkalibriger Ansatz
  • Medienwirksamer Erfolg

Dritter Akt

  • Fehlleistungen
    (Konkurrenz, Probleme, Liqui, Chaos, Intrigen, …)
  • Exit
  • Wie war nochmal gleich Plan A?

Epilog

Morgenstimmung in einem Strandrestaurant auf irgendeiner Trauminsel; ein Tisch für zwei ist gedeckt; ein Mann und eine Frau sitzen sich schweigend gegenüber; die Nebentische füllen sich langsam; ein Gesprächsbrocken nach dem anderen ist zu hören …

„Jeder hat gewisse angeborene konkrete Grundsätze,
die ihm in Blut und Saft stecken indem sie das Resultat alles seines Denkens, Fühlens und Wollens sind.

Er wird erst beim Rückblick auf sein Leben gewahr,
daß er von ihnen wie von einem unsichtbaren Faden ist gezogen worden

Je nachdem sie sind, leiten sie ihn zu Glück oder Unglück“

„Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,
aber keine Bildung den natürlichen Verstand.“

„Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.“

„Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen.
Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses
sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich
und dem Zufall unterworfen.“

„Da unser größtes Vergnügen darin besteht, bewundert zu werden, die Bewunderer aber, selbst wo alle Ursache wäre, sich ungern herbeilassen, so ist der Glücklichste der, welcher gleichviel wie, es dahin gebracht hat, sich selbst aufrichtig zu bewundern. Nur müssen die anderen ihn nicht irre machen.“

„Ich halte die Hoffnung für die Verwechslung einer erwünschten Begebenheit mit ihrer Wahrscheinlichkeit.“

„Nicht, was die Dinge wirklich sind, sondern was sie für uns in unserer Auffassung sind, macht uns glücklich oder unglücklich.“

„Reichtum gleicht dem Seewasser: je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man.“

„Witz ist das Zusammenbrechen einer großen Erwartung in ein Nichts.“

„Der vollkommene Weltmann wäre der, welcher nie in Unschlüssigkeit stockte und nie in Übereilung geriete.“

„Je mehr der Mensch des ganzen Ernstes fähig ist, desto herzlicher kann er lachen. Menschen, deren Lachen stets affektiert ist und gezwungen, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalte.“

Die Stimmen werden leiser, der Vorhang schließt sich …
Ein Manager quert und kommt kurz vor Dunkelheit und Schließung nach vorne.

Ein Manager
(in Richtung Publikum – aus seiner Sicht schroff an Bedienstete): Ahrrrr! Thuuuur! Schoppen! Hau E
r!


 

Aktuellste Version des Werks und Zusatzinfos:

Wehe wenn Tura! Die virtuelle Posse im Magazin-Stil von Heinz J. Hafner

 

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